Chronik des deutschen Fernsehens


Die Chronik liefert einen Überblick über die Geschichte des Deutschen Fernsehens seit den Anfängen in den 20er Jahren bis zur Einführung des Privatfernsehens im Jahr 1984.

 

 

1923 - 1938

1923

29. Oktober

Beginn der ersten Radiosendungen in Deutschland.

 

1924

16. Januar

Mit der Gründung der Nordischen Rundfunk AG (NORAG) in Hamburg beginnt der Rundfunk in Norddeutschland.

 

2. Mai

Mit dem ersten Intendanten, Hans Bodenstedt, wird der Sendebetrieb aufgenommen.  Zu Beginn gibt es 896 zahlende Hörer für ein täglich sechs bis achtstündiges Programm aus der Binderstraße in Hamburg.

1933

1. Februar

Die NORAG wird in die Norddeutsche Rundfunk GmbH Hamburg umgewandelt.


1934

1. April

Nach der Zentralisierung aller Programme erhalten die ehemaligen Rundfunkgesellschaften die Bezeichnung Reichssender. Bis 1935 werden zahlreiche nun als unzuverlässig eingestufte und jüdische Mitarbeiter von der Programmarbeit ausgeschlossen und später entlassen.


1935

Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Hamburger Tageblatt vom 25. Juni 1935. Quelle: Staatsarchiv Hamburg

24. März

Das NS-Kampfblatt Völkischer Beobachter und auch Hamburger Zeitungen berichten von der ersten gelungenen Fernseh-Sendung der Welt in Berlin, die einen Tag zuvor stattgefunden hat.

 

17. Juni

Auf dem Heiligengeistfeld trifft, aus Berlin kommend, ein Wagenpark von 20 Fahrzeugen ein, die erste fahrbare Fernseh-Sendestation der deutschen Reichspost.

 

21. Juni

In Hamburg finden die ersten Fernsehversuche statt. Übertragen wird aus der Musikhalle und von Bord des Hapag-Dampfers Caribia in eine Fernsehstube am Karl-Muck-Platz im damaligen Gebäude der NS-Organisation Deutsche Arbeitsfront.

 

11. Oktober

Auf der Hamburger Funkausstellung wird auf dem ehemaligen Zoogelände der inzwischen weiterentwickelte Projektionsapparat Nipkow-Scheibe vorgestellt: 40.000 einzelne Bildpunkte können nun nach einer 50maligen Übertragung in der Sekunde wieder zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden. "Hamburg sieht fern", titelt am 10. November erstmals das Hamburger Fremdenblatt.

 

12. Oktober

Erstmals werden im Rahmen der Funkausstellung auch Fernseh-Empfangsgeräte präsentiert, die nach Angaben von NS-Funktionären "schon in wenigen Jahren in jeder deutschen Stube stehen werden".


1938

15. Dezember

Der erste Fernseh-Sprechdienst am Jungfernstieg, Poststraße in Altona geht in Betrieb. Im Vorraum des Postamtes 12 am Jungfernstieg wird vorübergehend als technisches Weihnachtsgeschenk die Möglichkeit geschaffen, per Fernsehbildübertragung mit einem Gesprächspartner zu kommunizieren.


1945 - 1951

1945

23. März

Die ersten deutschen Kurzwellen-Sendungen werden ausgestrahlt.

 

3. Mai

Der Reichsrundfunk beendet sein Programm in Hamburg, nachdem die Briten das Funkhaus besetzt haben.

 

4. Mai

Radio Hamburg geht unter der Kontrolle der britischen Militärregierung auf Sendung. Um 19 Uhr meldet sich der Sender mit der britischen Nationalhymne und den Worten: "This is Radio Hamburg, a station of the Allied Military Government."

 

26. September

Radio Hamburg wird umbenannt in Nordwestdeutscher Rundfunk (NWDR).


1946

1. Oktober

Hugh Carleton Greene wird von der britischen Regierung nach Deutschland geschickt und als Chief-Controller des NWDR eingesetzt. Er ist für den Wiederaufbau des Rundfunkwesens in der britischen Besatzungszone zuständig.

 

1. November

Das erste Konzert des Sinfonieorchesters des NWDR wird vom Dirigenten Hans Schmidt-Isserstedt geleitet.

 

2. November

Der NWDR beginnt mit dem Nachtprogramm.

 

12. November

Der Schulfunk startet seine erste Sendung.


1947

6. Oktober

Dem NWDR wird die Sendeerlaubnis in der britischen Zone erteilt.


1948

Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Verordnung der britischen Militärregierung zur Errichtung des NWDR. Quelle: Staatsarchiv Hamburg

1. Januar

Der NWDR wird als erste deutsche Rundfunkanstalt von der britischen Besatzungsmacht als unabhängig erklärt. Grundlage ist die Verordnung 118 der britischen Militärregierung. Die Briten überlassen den Deutschen die NWDR-Leitung und Adolf Grimme wird gegen Ende des Jahres erster Generaldirektor des Senders mit Sitz in Hamburg.

 

10. Juli

Werner Nestel, technischer Direktor des NWDR, schlägt dem NWDR-Verwaltungsrat den Wiederaufbau des Fernsehens vor.

 

13. August

Die britische Militärregierung genehmigt Experimente zum Fernsehbetrieb des NWDR in Hamburg und Berlin. Der NWDR-Verwaltungsrat beschließt die Entwicklung des Fernsehens.

 

22. September

Die 625-Zeilennorm (Gerber-Norm) wird von einer Expertengruppe unter Leitung von Werner Nestel als Sendenorm festgelegt.

15. November

Adolf Grimme wird zum ersten Generaldirektor des NWDR ernannt.


1950

3. April/14. Mai

Das Hamburger und das Kölner Funkhaus starten den regelmäßigen Sendebetrieb von zwei Hörfunkprogrammen. Übertragen wird in Köln das Programm des UKW-West und in Hamburg das Programm des UKW-Nord.

 

9. Juni

Die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) wird gegründet. Die Gründungsmitglieder sind neben dem NWDR der Südwestfunk (SWF), der Bayerische Rundfunk (BR), der Süddeutsche Rundfunk (SDR), der Hessische Rundfunk (HR) und Radio Bremen (RB).

 

11. Juni

Für das neue DDR-Fernsehzentrum in Berlin-Adlershof wird feierlich der Grundstein gelegt.

 

12. Juli

Das NWDR-Fernsehen sendet in Deutschland das erste Fernsehbild nach dem Krieg (Testbild) vom Luftschutzbunker auf dem Heiligengeistfeld.

 

5. August

Die ARD hält mit den Sendern BR, HR, NWDR, RB, SDR und SWF konstituierende Sitzungen ab.

 

25. September

Der NWDR-Fernsehsender wird im Luftschutzbunker auf dem Heiligengeistfeld in Betrieb genommen. Programmbeauftragter ist Werner Pleister.

 

1. November

Das öffentlich-rechtliche Gemeinschaftsprogramm der ARD beginnt.

 

10. November

Eine Fernsehkommission wird von den Intendanten der ARD-Rundfunkanstalten gebildet. Sie soll die organisatorischen, rechtlichen und technischen Vorbereitungen koordinieren sowie erste Programmkonzeptionen entwickeln. Ihre Mitglieder sind Werner Nestel, Intendant des NWDR, Carl Haensel (SWF) und Eberhardt Beckmann (HR).

 

27. November

Der NWDR beginnt mit einer zweijährigen Versuchsphase, die am 24. Dezember 1952 endet. Gesendet wird am Montag, Mittwoch und Freitag von 20 bis 22 Uhr. Insgesamt werden in diesem Zeitraum 31.188 Minuten Programm in Schwarz-Weiß ausgestrahlt.


1952 - 1955

1952

20. Januar

Adolf Grimme legt dem NWDR-Verwaltungsrat das Programm für den Aufbau und die Durchführung des öffentlichen Fernsehens vor. Der Verwaltungsrat des NWDR stimmt einem Dreijahresplan grundsätzlich zu.

 

1. April

Werner Pleister, früheres NSDAP-Parteimitglied, wird von Adolf Grimme zum ersten bundesdeutschen Fernsehintendanten ernannt. Im kleinen Bunker am St.-Pauli-Platz auf dem Heiligengeistfeld wird das NWDR-Fernsehen mit seinen 20 Mitarbeitern im zwölften Stockwerk untergebracht.

 

10. September

Die Fernsehübertragungsstrecke Hamburg – Berlin wird versuchsweise in Betrieb genommen.

 

23. Oktober

In Hamburg-Lokstedt findet die Grundsteinlegung des neuen Fernsehstudios statt. 

 

25. Dezember

Das regelmäßige Fernsehprogramm beginnt offiziell. Der NWDR strahlt täglich von 20 bis 22 (beziehungsweise bis 22.30) Uhr das Programm aus. An einzelnen Wochentagen wird ein halb- bis einstündiges Nachmittagsprogramm gesendet.


1953

1. Januar

Die Richtfunkstrecke Hamburg-Köln wird in Betrieb genommen. Damit beginnt das Fernseh-Gemeinschaftsprogramm der drei NWDR-Studios in Hamburg, Köln und Berlin. Die ersten Fernsehgebühren betragen 5 DM pro Empfangsgerät.

 

4. Januar

Die wichtigsten Nachrichten der Tagesschau werden im Wochenspiegel zusammengefasst.

 

27. März

Der Fernsehvertrag wird zwischen den ARD-Rundfunkanstalten abgeschlossen. Die Sendezeit wird auf zwei Stunden täglich festgelegt. Der Anteil des NWDR zum Programm beträgt 50 Prozent.

 

2. Juni

Die Krönung von Queen Elisabeth II wird live im Fernsehen übertragen. Die elfstündige Sendung wird von Millionen Zuschauern in Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und der Bundesrepublik Deutschland verfolgt und bildet den Auftakt zur Gründung der Eurovision.

 

28. Juni

Das erste Mal wird eine katholische Messe live im Fernsehen übertragen.  Die Übertragung von Sakramentshandlungen löst heftige Diskussionen unter Theologen aus.

 

1. September

Das erste Wort zum Sonntag wird ausgestrahlt. Seither wechseln sich evangelische und katholische Kirche mit der Produktion der Sendung ab.

 

23. Oktober

Der NWDR zieht in das neue Studio in Hamburg Lokstedt. Es ist Europas erstes spezielles Fernsehstudio.


1954

8. April

Eine ständige Programmkonferenz (bisher: Programmausschuss) der ARD als Entscheidungsgremium für Gestaltung und Zusammensetzung des Programms wird eingerichtet.

1. Juni

Das Studio Berlin trennt sich vom NWDR und nimmt seinen Sendebetrieb als Sender Freies Berlin (SFB) auf.

 

14. September

Der NWDR-Fernsehintendant Werner Pleister wird für ein Kalenderjahr zum Vorsitzenden der Fernsehprogrammkonferenz gewählt. Auch der SFB tritt der Fernsehprogrammkonferenz bei.

 

1. November

Das öffentlich-rechtliche Gemeinschaftsprogramm der ARD beginnt. Die Bundespost hat den Ausbau des bundesweiten Richtfunkstreckennetzes abgeschlossen und es werden nunmehr 61.500 Fernseh-Teilnehmer gezählt.

1955

16. Februar

Die Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg schließen den Staatsvertrag über den Norddeutschen Rundfunk (NDR) ab. Gemeinsam mit  Nordrhein-Westfalen wird der Nord- und Westdeutsche Rundfunkverband (NWRV) gegründet, der für eine Übergangszeit die Nachfolge des NWDR im Bereich des Fernsehens antreten soll.

1. April

Die Tagesschau erhält ein eigenes Reporterteam, das unabhängig von der Wochenschau produziert.

 

26. August

Max H. Rehbein ist für den NWDR in Fernost (Indochina, Taiwan, Hong Kong und Indien) unterwegs.

 

31. Dezember

Zum Jahreswechsel werden der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der NDR gegründet. Damit wird die Trennung des ehemaligen NWDR vollzogen, jedoch werden zunächst nur die Radioprogramme eigenverantwortlich betrieben.

1956 - 1963

1956

1. Januar

Der NDR meldet sich zum ersten Mal mit eigenen Radiosendungen (bisher gab es ein Gemeinschaftsprogramm zusammen mit dem Westdeutschen Rundfunk).

 

10. Februar

Der NDR und der WDR werden jeweils als eigenständige Sender in die ARD aufgenommen.

 

1. April

Der NWRV übernimmt zunächst als gemeinsame Körperschaft von NDR und WDR die Veranstaltung des Fernsehprogramms für eine Frist von fünf Jahren. Damit wird der NWDR aufgelöst, der ab Anfang 1951 kommissarisch für das Fernsehprogramm zuständig gewesen ist.

 

1. Oktober

Beginn der täglichen Ausstrahlung der Tagesschau.

1957

1. Oktober

Das Fernsehen verzeichnet eine Million Zuschauer.

 

1. Dezember

Die Fernseh-Regionalprogramme Nordschau beim NDR und Hier und Heute beim WDR beginnen.

 

7. Dezember

Die aktuelle Schaubude mit Werner Baecker geht erstmals auf Sendung.

1958

Der HR, SWF und SFB starten zusammen mit dem BR das Werbefernsehen. Der NWRV und RB planen ebenfalls Werbefernsehen in Eigenregie.

 

14. März

Jürgen Rolands Krimisreie Stahlnetz beginnt.

 

1. November

Die ARD beschließt, keine Programme für Kinder unter sechs Jahren zu senden.

1959

2. März

Die Nachrichten der Tagesschau werden ab jetzt von Sprechern verlesen. Der erste Sprecher ist Karl-Heinz Köpcke.

 

1. April

Der NDR beginnt mit seiner Tochter Norddeutsches Werbefernsehen GmbH das Werbefernsehen.

 

30. September

Die Bundesregierung unter Konrad Adenauer will per Gesetzentwurf drei neue Rundfunkanstalten durchsetzen: Die Radiosender Deutschland-Funk, Deutsche Welle und das werbefinanzierte Deutschland-Fernsehen. Die Bundesländer protestieren.

1960

24. April bis 3. Mai

Während der Deutschen Industriemesse 1960 sendet der NDR erstmalig ein so genanntes Zweites Fernsehen.

 

25. Juli

Bundeskanzler Adenauer und Justizminister Schäffler unterzeichnen einen Gesellschaftervertrag für die Deutschland-Fernsehen GmbH.

30. August

Der NDR verklagt die Bundespost beim Verwaltungsgericht Köln auf Unterlassung der Errichtung eines eigenen Fernsehsendernetzes im Frequenzbereich IV.

19. September

Hamburg und Hessen klagen beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Fernsehpläne der Bundesregierung, da Fernsehen allein Ländersache sei. Andere Bundesländer schließen sich an.

1961

3. Januar

Als die Vereinigten Staaten von Amerika die diplomatischen Beziehungen zu Kuba abbrechen, gibt es erstmals eine Spätausgabe der Tagesschau.

 

28. Februar

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verurteilt im ersten Fernsehurteil das von der Bundesregierung geplante Deutschland-Fernsehen als verfassungswidrig. Zur Begründung: Die Rundfunkorganisation sei ausschließlich Ländersache, der Bund sei allein für die Rundfunktechnik zuständig.

 

1. April

Der Nordwestdeutsche Rundfunk-Verband (NWRV) als NWDR-Nachfolger löst sich auf. Der NDR und der WDR produzieren künftig nun vollständig getrennte Fernsehprogramme.

 

4. Juni:

Die erste Sportschau geht auf Sendung.

6. Juni

Die Bundesländer unterzeichnen einen Staatsvertrag zur Gründung einer gemeinnützigen Anstalt des öffentlichen Rechts mit dem Namen Zweites Deutsches Fernsehen.

 

23. bis 28. Oktober

Der NDR strahlt das erste Versuchsprogramm zum Schulfernsehen aus.


1962

6. Februar

Der Fernsehrat des ZDF konstituiert sich.

 

8. Juni

Das Fernsehstudio Eiderkrug in Kiel wird eingeweiht.

 

23. Juli

Eine Live-Sendung aus Amerika wird das erste Mal per Satellit übertragen. 


1963

1. April

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) nimmt seinen Sendebetrieb auf.

 

1. Mai

Nach Programmende verweist das Erste Deutsche Fernsehen auf die Sendungen des ZDF.

8. Juni

Heinz Dunkhases Dinner for One (Der neunzigste Geburtstag) wird das erste Mal ausgestrahlt. Die 18-minütige Sendung, die vom NDR in englischer Sprache produziert wird, avanciert zu einer der größten Kultsendungen der Fernsehgeschichte.