Die Entwicklung des Fernsehens in den ersten Jahren nach Sendebeginn


Die Anfangsjahre sind geprägt von Fernsehgebühren, den ersten Live-Übertragungen nach dem zweiten Weltkrieg, technischen Neuerungen und wachsenden Zuschauerzahlen. Einen Höhepunkt in der TV-Geschichte liefert 1954 der Sport: Die Übertragung des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft aus Bern. Ende 1958 sind bereits zwei Millionen Zuschauer registriert. Das Fernsehen ist endgültig zu einem Massenmedium geworden.

Gebühren, der Umzug des NWDR und erste Übertragungen

Postmitarbeiter lokalisieren nicht angemeldete Empfangsgeräte. Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Postmitarbeiter lokalisieren nicht angemeldete Empfangsgeräte. Quelle: Staatsarchiv Hamburg

Am 1. Januar 1953 verlangt die Bundespost zum ersten Mal Fernsehgebühren von fünf DM pro Empfangsgerät. Im selben Jahr erfolgt der Umzug des NWDR in die neu gebauten Studios in Hamburg-Lokstedt. Aus diesen wird dann ab Herbst 1953 täglich gesendet.
Da Außenübertragungen im Fernsehen damals noch mit einem recht hohen Aufwand verbunden und die technischen Geraetschaften im Vergleich zu heute noch sehr anfaellig sind, werden sie nur selten durchgeführt. Die erste Übertragung im Freien wird von der Gartenschau auf dem Heiligengeistfeld gesendet, nicht weit weg vom Fernsehbunker. Das erste live gesendete Fußballspiel ist die Partie St. Pauli gegen Hamborn 07 am zweiten Sendetag des NWDR. Oftmals werden an Feiertagen Gottesdienste live übertragen. Die erste Bundestagsdebatte wird im Oktober 1953 gesendet.
Im Programm werden nun viele Krimis und Fernsehspiele gezeigt, letztere sind stark am Theater orientiert. Sehr beliebt beim Publikum sind auch die ersten Quizsendungen, z.B. Wer gegen wen ? mit Hans-Joachim Kuhlenkampff oder "1:0 für Sie" mit Peter Frankenfeld.

Ein Großereignis begeistert die Zuschauer

Krönung der Queen Elisabeth II.
Krönung der Queen Elisabeth II.

Am 2. Juni 1953 wird die Krönung der englischen Königin Elisabeth II. von Fernsehanstalten in alle Welt übertragen. Dieses Großereignis ist auch die erste Live-Übertragung für die deutschen Fernsehzuschauer nach dem Zweiten Weltkrieg.

Am 13. März 1954 wird mit Seine Majestät Gustav Krause zum ersten Mal ein Stück des Ohnsorg-Theaters im Fernsehen gesendet. Die Übertragung findet aus technischen Gründen noch direkt aus dem Bunker auf dem Heiligengeistfeld statt. Mit ihren Auftritten im Ohnsorg-Theater wird Heidi Kabel bald zu einem Fernsehstar.


Am 8. Mai 1954 läuft erstmals Das Wort zum Sonntag, welches zwischen den Spätnachrichten und dem letzten Spielfilm ausgestrahlt wird. In der anfangs zehnminütigen Sendung nehmen Geistliche beider christlichen Glaubensrichtungen Stellung zu theologischen Fragen, häufig mit Bezügen zu aktuellen Ereignissen.

Im selben Jahr startet die erste deutsche Familienserie "Unsere Nachbarn heute Abend: Die Familie Schölermann".

Ebenfalls 1954 wird das Studio Berlin vom Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) abgetrennt und gehört nun zum Sender Freies Berlin (SFB).
 
Auch die Ausstrahlung der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 verhilft dem Fernsehen zu ungeahnter Popularität. Als Deutschland  Weltmeister wird, ist dieser Pokal gleichsam Balsam für das Nachkriegsdeutschland (Motto: "Wir sind wieder wer !"). Durch die Fußball-WM steigt auch die Zahl der verkauften Fernseher rasant an. Ein Gerät kostet zu dieser Zeit  rund 700 DM.

Der Ausbau des Fernsehnetzes

Erste fahrbare Fernseh-Sendeanlage. Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Erste fahrbare Fernseh-Sendeanlage.  Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Fernseher werden günstig. Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Fernseher werden günstig.  Quelle: Staatsarchiv Hamburg

Im Oktober 1954 hat die Post den Ausbau des Fernsehnetzes durch den bundesweiten Bau eines Richtfunk-Streckennetzes abgeschlossen. Am 1. November 1954 löst daraufhin das gemeinsame "Deutsche Fernsehen", das ARD-Gemeinschaftsprogramm, den alleinigen Sendebetrieb des NWDR ab. Nun sind 14 Sender der ARD am gemeinsamen Fernsehprogramm beteiligt, entsprechend vergrößert sich das Sendegebiet. 1955 sind bereits 100.000 Zuschauer erreicht.
Ergänzend zu den täglich ausgestrahlten Nachrichten der Tagesschau führt der NWDR neue Formate ein, um die Zuschauer politisch zu informieren. In der bekannten Dokumentarfilmreihe Bilder aus der Neuen Welt berichtet der NWDR-Korrespondent Peter von Zahn über die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Amerika. Gleichzeitig drehen die Journalisten Rüdiger Proske, Max Helmut Rehbein und der Kameramann Carsten Diercks Dokumentarfilme, die das Leben in aller Welt wiederspiegeln. Der Name Hamburger Schule kennzeichnet den typischen Stil des Dokumentarfilms vom NWDR, der damals national als auch international bekannt wird.

Die Spaltung des NWDR

Am 16. Februar 1955 entsteht die Dreiländeranstalt NDR, nachdem die NWDR-Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg ihre Zusammenarbeit in einem Staatsvertrag vereinbart haben. Am 11. September 1956 erfolgt die bereits erwartete Teilung des NWDR in NDR und WDR. Gründe dafür sind u.a. programmpolitische Differenzen der politischen Parteien unterschiedlicher Coleur, die in den jeweiligen Bundesländern die Regierungen stellen.
Ab 1957 kommen auch die ersten Fernsehfilme ins Programm - einige werden sogar schon von freien Produktionsgesellschaften für den NWDR hergestellt, wie beispielsweise von der Deutschen Dokumentar- und Spielfilm-Gesellschaft von Heinrich Klemme (Cardillac, Grenzfall Bacall, Gesucht wird Mörder X). Viele Künstler und Literaten können sich allerdings anfänglich mit dem neuen Medium Fernsehen noch nicht so recht anfreunden. Es dauert noch einige Jahre, bis sich diese Einstellung ändert und auch renommierte Autoren für das Verfassen von Drehbüchern für Fernsehspiele gewonnen werden können. Ende 1958 sind bereits zwei Millionen Zuschauer registriert. Das Fernsehen wird somit als Massenmedium anerkannt, aufgrund seiner breiten Öffentlichkeitswirkung auch inhaltlich zunehmend geschätzt und ernst genommen.