Der internationale Frühschoppen


"Der internationale Frühschoppen" von und mit Werner Höfer. Quelle: Staatsarchiv Hamburg
"Der internationale Frühschoppen" von und mit Werner Höfer. Quelle: Staatsarchiv Hamburg

Werner Höfers wöchentliche Diskussionsrunde - bis Ende 1953 unter dem Titel Der internationale Journalisten-Frühschoppen ausgestrahlt - ist erstmals am 30. August 1953 im deutschen Fernsehen zu sehen. Die lockere Gesprächsrunde am wolkenförmigen Tisch wird schnell zu einer der bedeutendsten politischen Sendungen der deutschen Fernsehgeschichte und wird bis 1987 nahezu unverändert ausgestrahlt.

Vom Hörfunk zum Fernsehen

Das Format findet zuvor bereits großen Zuspruch im Hörfunkprogramm des NWDR Köln. Seit dem 6. Januar 1952 empfängt Höfer dort jeden Sonntag um 12:00 Uhr sechs Journalisten aus fünf Ländern, die bald nahezu die ganze Nation kennt.

Den Sprung vom Hörfunk ins Fernsehen schafft die Sendung, als sie während einer Übertragung von der Funkausstellung 1953 in Düsseldorf einfach abgefilmt wird. Von diesem Zeitpunkt an wird die Runde zeitgleich in Hörfunk und Fernsehen übertragen.

Lockere Gespräche mit Stammtisch-Atmosphäre

Der junge Gerd Ruge mit Wein und Zigarette im "Internationalen Frühschoppen". Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Der junge Gerd Ruge mit Wein und Zigarette im "Internationalen Frühschoppen". Quelle: Staatsarchiv Hamburg

Seinen besonderen Erfolg verdankt der Frühschoppen nicht nur dem Moderator Höfer, der sich stark an den Gesprächen beteiligt, sondern insbesondere der stammtischartigen Atmosphäre. Denn der Sendungstitel kann durchaus im Wortsinne begriffen werden: Gereicht wird den Gästen Weißwein, der eifrig nachgeschenkt wird und es darf geraucht werden. Für die Anfangszeit des Fernsehens durchaus nicht ungewöhnlich. Für viele Zuschauer wird das Verfolgen der teilweise hitzigen Debatten zum allsonntäglichen Ritual nach dem Kirchgang.

Höfer schafft es mit seiner gelösten Runde, den Zuschauern fast 36 Jahre lang unterhaltsam die Probleme der Weltpolitik näher zu bringen. Mit Journalisten und Auslandskorrespondenten wie Rudolf Augstein, Peter Scholl-Latour, Gerd Ruge oder Peter von Zahn wird zuweilen heftig diskutiert, und der Frühschoppen wird für viele Zuschauer unverzichtbar.

Ein großes Format mit großem Vorbild

Angelehnt ist die Reihe an die amerikanische NBC-Sendung Meet the Press, die seit 1947 ebenfalls jeden Sonntag ausgestrahlt wird und als die am längsten laufende Fernsehsendung überhaupt gilt. Auch der Frühschoppen existiert in veränderter Form bis heute.


Die Sendung wird am 20. Dezember 1987 abgesetzt, als der Spiegel über einen von Höfer verfassten Artikel aus dem 12 Uhr Blatt von 1943 berichtet, in dem dieser wohlwollend über die Hinrichtung des Pianisten Karlrobert Kreiten wegen Wehrkraftzersetzung berichtet hatte. Obwohl Höfer die Verantwortung für diesen Artikel abstreitet, legt der Rundfunkrat des WDR Höfer die Aufgabe seiner Sendung nahe. Bereits eine Woche später startet die ARD mit dem Presseclub ein nur leicht verändertes Format auf dem gleichen Sendeplatz. Mit nur noch fünf - vorwiegend deutschen - Journalisten bildet der Presseclub bis heute den Nachfolger von Höfers legendärer Gesprächsrunde.


Seit dem 13. Oktober 2002 ist auch das ursprüngliche Konzept unter dem Titel Internationaler Frühschoppen wieder belebt: Auf dem gewohnten Sendeplatz strahlt der Informations- und Dokumentationskanal PHOENIX das Format mit leicht modernisierter Kulisse aus, und zwar immer dann, wenn der Presseclub der ARD vor allem wegen Sportübertragungen ausfällt.

 

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