Panorama


Das erste "Panorama"-Logo von 1961. Quelle: Film- und Fernsehmuseum Hamburg e. V.
Das erste "Panorama"-Logo von 1961. Quelle: Film- und Fernsehmuseum Hamburg e. V.

Die Reihe Panorama gilt als das älteste und eines der umstrittensten politischen Magazine im deutschen Fernsehen.

 

 



Startschuss für Panorama

Zwar fällt der offizielle Startschuss für die erste Ausgabe erst am 4. Juni 1961, also nach dem Magazin ANNO, jedoch hat das Magazin einen gleichnamigen, weitgehend unbekannten Vorläufer.

Bereits am 28. Januar 1957 startet das NDR Fernsehen sein Panorama. Redaktionell wird es verantwortet von der Tagesschau und moderiert von dem damaligen Chef des Zeit-Feuilletons, Josef Müller-Marein. Der Titel stammt von dem damals bereits sehr populären politischen Magazin der BBC in Großbritannien. Nach zwölf Folgen wird die Sendung jedoch Anfang 1958 eingestellt. Man sagte ihr einen Mangel an kritischer Analyse und pointierter Stellungnahme nach.

Das überarbeitete Konzept des neuen Panorama, wie es seit 1961 existiert, geht zurück auf Rüdiger Proske, der 1958 Leiter der neu gegründeten Hauptabteilung Zeitgeschehen des NDR wird. Als er im gleichen Jahr auf Einladung der englischen Königin für sechs Wochen nach Großbritannien reist, begeistert er sich vor allem für das englische Panorama und die Satiresendung That was all the week was.


Zurück in Deutschland entwickelt er zunächst die Nordschau und die Feature-Reihe Spiegel der Zeit, bevor er gemeinsam mit dem ehemaligen Welt-Journalisten und Kolonialismus-Experten Gert von Paczensky im Juni 1961 Panorama. Zeitgeschehen - ferngesehen herausbringt.

 

Die beiden moderieren die Sendung in der Regel abwechselnd und fallen schnell durch ihre mitunter unbequeme, schonungslose Berichterstattung auf. In den Beiträgen wird oft die Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands thematisiert, und von Paczensky setzt mit internationalen Themen über die Kolonialpolitik Frankreichs im Kongo oder über Algerien einen weiteren Schwerpunkt.

Ein äußerst unbequemes Magazin

Rüdiger Proske moderiert "Panorama" (1961)
Quelle: Film- und Fernsehverein Hamburg e. V.

Vor allem die konservative Bundesregierung sieht sich immer wieder von "Panorama" diffamiert und betont wiederholt, die Macher der Sendung stünden weit links von der Opposition. Bald sieht sich die gesamte ARD dem Vorwurf ausgesetzt, ein linkes Fernsehen zu betreiben.

"Panorama" geht zunächst 54 Folgen lang im Zweiten Programm der ARD auf Sendung, das nur mit einem UHF-Zusatzgerät empfangen werden kann. Am 1. Juli 1962 wird die Sendung mit dem neuen Untertitel "Berichte - Analysen - Meinungen" in das Erste Programm übernommen und im Wechsel mit "report" für jedermann zugänglich sonntags um 18:45 Uhr gesendet. Die abwechselnde Ausstrahlung der beiden Magazine soll vor allem für mehr politische Ausgewogenheit sorgen.

Durch die investigative und kritische Art der Berichterstattung und den provokanten, bisweilen satirischen Umgang mit Politikern wird das Magazin innerhalb kürzester Zeit von Regierung, Kirchen und Verbänden angegriffen, was die Sendung jedoch auch schnell sehr populär werden lässt. Zudem werden die Filmbeiträge immer professioneller und phantasievoller produziert.

Ständiger Schlagabtausch mit Konsequenzen

Ein ausführlicher Bericht über die Spiegel-Affäre am 4. November 1962 bringt den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauss in Erklärungsnot und führt schließlich zu dessen Rücktritt. Als sich das Magazin in einer Sendung zur Pressekonzentration am 11. Februar 1963 mit der BILD-Zeitung anlegt, kontert diese mit einer Kampagne, die Gert von Paczensky in die Nähe von Walter Ulbricht rückt. Die BILD tituliert: "Das Volk hat die Nase voll von der Fernseh-Diktatur" und "Der Spitzbart muss weg!". Es folgen heftige Diskussionen über die Grenzen der Freiheit des Rundfunks und die Staatsferne des Fernsehens. Am 20. Mai 1963 erklärt Rüdiger Proske schließlich den Zuschauern den von der CDU mitinitiierten Rauswurf von Paczensky und verspricht: "Panorama wird es weiter geben. Kritisch nach allen Seiten, so wie bisher".

Nur ein halbes Jahr später stolpert auch Proske mit einer Sendung vom 23. September 1963 über die Verletzung von Telefongeheimnissen mit einer nicht haltbaren Behauptung, auch im Bundestag sei abgehört worden, und erklärt daraufhin seinen Rücktritt. In den folgenden Jahren haben es die Nachfolger nicht leicht. Der neue Herausgeber und Moderator Eugen Kogon tritt nur ein Jahr später nach einer als "Sowjetzonenpropaganda" angetanen Sendung vom 9. November 1964 über politische Strafjustiz und Denunzierung von Andersdenkenden zurück. Erst mit den Berichten über die Studentenbewegung 1967 und mit Peter Merseburger als Moderator gelangt das Magazin wieder zu großer Popularität und durch ihre später der Roten Armee Fraktion angehörige Mitarbeiterin Ulrike Meinhof einmal mehr in die Diskussion.

Jedoch gehört die kritische Berichterstattung von Panorama von Beginn an zu den wichtigsten Sendungen des Fernsehens und das Magazin erhält ab 1965 auch einen langjährigen Stammplatz am Montagabend zur Prime Time. Zunächst weiterhin im Wechsel mit report, nach weiteren Wechseln der Sendeplätze wird es heute an jedem dritten Donnerstag um 21:45 Uhr ausgestrahlt.

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