Das ewige Zweite - Konkurrenz und Unterschiede zwischen "heute" und der "Tagesschau"


Die Tagesschau – ein Urgestein deutscher Fernsehgeschichte, konkurrenzlos bis 1963. Mit der Geburt des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) erblickt auch die Nachrichtensendung heute das Licht der Welt. Es wird getüftelt und probiert, um eine echte Alternative zur Mutter aller Nachrichtensendungen zu werden. Mit Erfolg?

 

Einschaltquoten ZDF heute und Tagesschau. Eigene Darstellung, Daten: Hickethier 1998, S. 265
Eigene Darstellung, Daten: Hickethier 1998, 265

Zunächst versucht das ZDF zeitlich der Tagesschau zuvor zu kommen. Es lässt heute bereits um 19.30 Uhr beginnen, die Sendung endet somit direkt zu Beginn der Tagesschau. Das Informationsbedürfnis der Zuschauer soll schon vorher befriedigt sein. Allerdings kommt das ZDF ein Jahrzehnt zu spät: Die Tagesschau hat sich schon fest etabliert. Eine halbe Stunde früher mit den heute-Nachrichten zu beginnen, überzeugt das Publikum nicht.

Zweiteilung der Sendung

Es wird am Konzept der heute-Sendung gearbeitet und schon zu Beginn des Jahres 1964 wird sie in einen Nachrichten- und einen Magazinteil gegliedert. Dem Zuschauer sollen so nicht nur aktuelle Meldungen, sondern auch Hintergründe und Erläuterungen zum Geschehen in der Welt näher gebracht werden. Auch durch personelle Trennung soll mehr Übersichtlichkeit und Orientierung geboten werden: Die Nachrichten werden von einem Nachrichtensprecher verlesen und der Magazinteil wird vom Studio-Redakteur moderiert. Später fällt der Nachrichtensprecher sogar ganz weg, da der offizielle Verkündungscharakter beim Verlesen der Meldungen mehrfach kritisiert wird.

"Heute" wird moderner

Das Studio-Design wird moderner. Die Redakteure und Sprecher erscheinen im Jahr 1973 vor einer roten Backsteinwand, auf weitere Kulissen wird verzichtet, um realitätsnah zu wirken. Durch den Einsatz vieler In- und Auslandskorrespondenten und der Nutzung modernster, aber kostenintensiver Satellitenübertragung will das ZDF konkurrenzfähig bleiben.

Das Erste bleibt der Erste

Aber alle Bemühungen helfen wenig eine unterhaltsamere Nachrichtensendung mit einer ausgewogenen Menge an „leichter“ und „schwerer“ Kost in der Hauptsendung zu produzieren (ZDF Jahrbuch 1965, S.68). Heute und die Tagesschau nähern sich zwar an, aber die Strategie des Ersten, das Gewohnheitsbedürfnis des Publikums nicht zu strapazieren und kaum Änderungen vorzunehmen, scheint die bessere zu sein. Auch im direkten Vergleich scheitert heute: 1969 wird die Hauptsendung auf 19.45 Uhr verlegt und überschneidet sich so zeitlich mit der Tagesschau. Das Abendprogramm beider Sender soll somit gleichzeitig beginnen, um dem Zuschauer mehr Wahlmöglichkeiten zu bieten und eine Konkurrenz des nachfolgenden Programms mit der Tagesschau zu vermeiden. Es wird aber deutlich, dass der Erfolg von heute stark vom umrahmenden Programm abhängt.

Neue Chancen durch neue Sendezeit

Im Jahre 1973 schließlich wird die Hauptausgabe der heute-Sendung im Rahmen einer neuen Programmstruktur auf 19.00 Uhr verlegt. Motive sind vor allem die Anpassung an den gesellschaftlichen Wandel und die damit verbundenen veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen, vor allem im Bereich Arbeit und Freizeitgestaltung. Und die Rechnung geht auf: Zwar schafft es heute nicht, die Tagesschau-Werte zu erreichen, allerdings zeichnet sich schon Ende des Jahres 1973 eine deutliche Steigerung der Zuschauerzahlen ab. Bis zur Umstellung des Programms im Oktober liegen die Werte bei durchschnittlich 19 Prozent, danach wird bis zum Jahresende eine Einschaltquote von etwa 32 Prozent gemessen. In einer Oktoberwoche passiert das Unglaubliche: heute überholt die Tagesschau sogar und macht Das Zweite kurzzeitig zum Ersten.