Der Wellendetektiv


Schon früher sind sie den Rundfunkanstalten ein Dorn im Auge: Schwarzseher und -hörer, die für das Fernseh- und Radioprogramm nicht bezahlen. Mit verschiedensten Methoden versuchen sie, dieses Problem zu bewältigen.

 

Der Wellen Detektiv. Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Der Wellen Detektiv. Quelle: Staatsarchiv Hamburg

Für den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) stellt sich schon damals die Frage, warum überhaupt Schwarzgesehen und -gehört wird. "Sollten 6,5 Pfennig für ein Zwanzig-Stunden-Programm zu viel sein?" so der NWDR. Es wird damit argumentiert, dass die Schwarzhörer nicht dem "Funk" schaden, sondern den vier millionen Normalhörer des NWDR. Kostspielige UKW-Netze müssen ausgebaut werden; diese Arbeiten werden durchentgangenen Zahlungen nun verzögert.

Prämien für Neukundenerwerb

Um die Zahl der Schwarzseher einzudämmen, wird erstmals an die Vernunft appelliert. In den 1950er Jahren wird eine Werbeaktion ins Leben gerufen: Kunden werben Kunden. Wer drei Personen anmeldet und diese Unterschriften zum Postamt bringt, bekommt sechs Mark gut geschrieben. Für jeden weiteren Neukunden gibt es zwei Mark. Besonders erfolgreiche Werber werden in einer abendlichen Sendung ausgezeichnet und mit Sachprämien belohnt. Die Prämien reichen vom Füllhalter bis zu einer Zweizimmereinrichtung.

Der Wellendetektiv

Kontrolleure von Haus zu Haus
Quelle: Staatsarchiv Hamburg

„Indes - man lache nicht zu früh. Denn schwupp die wupp! Da hat man sie!“ (Zitat: NWDR). Getreu diesem Motto startet der NWDR ihre zweite Anti-Schwarzhörer-Aktion. Dort ist die Rede von Begriffen wie "Wellendetektiv" oder "Schwarzhörer Suchgerät". Dabei handelt es sich um ein Gerät, das bereits zur Kriegszeit im Einsatz ist und ursprünglich zu Spionage-Zwecken dient. Erstmalig wird dieses Gerät zu "friedlichen" Zwecken am 1. Januar 1951 eingesetzt. Ziel ist es, Schwarzhörer mittels dieser hochtechnischen Geräte ausfindig zu machen. Laut dem NWDR soll dieses Gerät es ermöglichen, Radio und Fernsehgeräte durch Wände und verschlossenen Türen zu orten.

Unterwegs in Laubenkolonien, Villenvierteln und Mietshäusern

Jeweils mindestens zwei Personen machen sich auf den Weg durch Laubenkolonien, Villenviertel und Mietshäuser. Wobei Letzteres sich als etwas aufwändiger herausstellte, da der Skalenanzeiger des Wellendetektives bei mehreren Wohnungen etwas sensibler reagiert. So muss jede Etage einzeln abgearbeitet werden.

Alles nur reine Abschreckung?

Allerdings muss erwähnt werden, dass nie etwas über technische Prinzipien dieses Gerätes gesagt wird. Einige Stimmen behaupten, dass dieses Detektiv-Wellen-Gerät nur zur Abschreckung dient und keinerlei sinnvolle Funktion besitze.