Kritik


Obwohl die Eurovision alle juristischen und technischen Vorraussetzungen für einen Programmaustausch geschaffen hat, besteht dieser in den 1960er Jahren nur noch aus Sport und Nachrichten.

Der Versuch eines eigenen Programmes

Quelle: Film- und Fernsehmuseum Hamburg e.V.

Die Programmgestaltung bereitet der Eurovision von Anfang an immer wieder Probleme. Trotz Gründung eines Programmkommitees mit Vertretern aller beteiligten Fernsehstaaten, scheint es unmöglich, Themen zu finden, die von internationalem Interesse sind. Grenzen und Traditionen der europäischen Staaten werden beim Austausch quasi häufig außer Acht belassen. Auch der Versuch, fertig produzierte Filme der Länder auszutauschen, erweist sich auf Grund technischer Probleme vielfach als unmöglich (vgl. Degenhardt/Strautz, S.40f).

Die Probleme des Begriffs Programm

Quelle: Film- und Fernsehmuseum Hamburg e.V.

Zwar bezeichnet die Eurovision alle Übertragungen als Programm, doch laut Definition nach Hickethier ist das Programm eine "zusammengesetzte und geplante Abfolge von Sendungen" (Hickethier, 2001, S.216), was bei der Eurovision keineswegs der Fall ist. Die Programmkommission will jedoch nicht irgendein Programm machen, sondern sieht es als ihre Aufgabe an, ein "Programm für Europa" zu erstellen. Ein Auszug aus einer Rede von Ernet Eugster belegt letzteres:

"Furthermore, Eurovision members have not allowed the EBU to produce programs. All programs sent over the network are made by members, and each member is free to recieve or reject the program. The EBU's role is that of a coordinator and not that of a programm maker". (Ernest Eugster, 1983, S. 102).

Nicht alle Versuche scheitern

Quelle: Film- und Fernsehmuseum Hamburg e.V.

Doch nicht alle Versuche, ein gemeinsames Programm in größerem Umfang zu schaffen, scheitern. Der Grand Prix de la Chanson zum Beispiel, der 1956 zum ersten Mal in Lugano statt findet, ist selbst heute nicht mehr aus dem Reportoire der Eurovision wegzudenken und bei allen Nationen gleichermaßen beliebt.

Trotz allem ist es nie gelungen, ein wirkliches Programm mit kulturellen Anspruch zu gestalten, wie es später mit dem deutsch-französischem Kultursender Association Relative à la Télévision Européenne (ARTE) geschaffen wird. Auch heute steht die Eurovision für ein Austauschprogramm für besondere aktuelle Ereignisse in Sport, Politik oder der Gesellschaft. Manchmal spannend, manchmal weniger spannend, wie auch Marcel Bezençon findet:

"For the televiewer, Eurovision is a magic window of lettersand miniature suns opening on a programme which is broadcast jointly by several television organizations. He expects something out of the ordinary, and usually gets it - even though he may be disappointed sometimes(Bezençon 1965, S.8).