Fernsehen nach 1945


Nach Kriegsende untersteht der Rundfunk der Kontrolle der Alliierten. Den Deutschen wird der Betrieb von Rundfunk-Sendern zunächst untersagt. 1946 wird durch die britische Besatzungsmacht die erste Sendeanstalt nach dem Vorbild der BBC gegründet: Der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) mit Sitz in Hamburg.

Hamburg - Zentrum des Fernsehens

NWDR-Gebäude am Rothenbaum. Quelle: © NDR
NWDR-Gebäude am Rothenbaum. Quelle: © NDR

Im Jahr 1946 beschlagnahmen die alliierten Besatzungsmächte alle noch vorhandenen Fernsehgeräte sowie -einrichtungen und stoppen die Produktion und Ausstrahlung des Programms. Doch zwischen Berlin und Hamburg wird ein heimlicher Austausch von Fernsehproduktionsmaterialien aus der Berliner Fernseh-Versuchszeit aufrechterhalten.

 

Mit einer Verordnung der Britischen Militärregierung wird der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) als Anstalt des öffentlichen Rechts geschaffen, nach dem Vorbild der BBC. Zum Generaldirektor des NWDR wird Adolf Grimme berufen. Er tritt die Nachfolge des von der Britischen Militärverwaltung zum Neuaufbau des Rundfunks eingesetzten BBC-Mitarbeiters Hugh Carleton Greene an. 

 

Der NWDR zieht in das alte Funkhausgebäude der NORAG an der Rothenbaumchaussee, welches noch heute der Sitz des Hörfunks und der Verwaltung des heutigen NDR ist. Am 13. August 1948 genehmigt die britische Militärregierung, die bis 1955 die Rundfunkhoheit in ihrer Besatzungszone besitzt, Experimente zur Neuaufnahme des Fernsehbetriebs beim NWDR in Hamburg und Berlin. 

Fernseh-Fachleute beim NWDR

Hamburg wird zum Zentrum des Fernsehens. Gründe dafür sind die gute finanzielle Ausstattung des NWDR, die große Reichweite des Sendegebiets, die Verfügbarkeit fernsehtechnischer Produktionsressourcen sowie die große Zahl von Fernseh-Fachleuten. Darunter befinden sich auch sehr viele ehemalige Mitarbeiter des NS-Fernsehens, die nun zum NWDR gekommen sind. Adolf Grimme, der im Krieg selbst verfolgt wurde, ernennt am 01. April 1952 das frühere NSDAP-Parteimitglied Werner Pleister zum ersten Fernsehintendanten.

Zusammenschluss der Rundfunkanstalten

Am 9. Juni 1950 schließen sich die sechs deutschen Rundfunkanstalten HR, RB, BR, SDR, SWF und NWDR zur ARD, der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, zusammen, um das bundesdeutsche Fernsehen vorzubereiten und die erheblichen Kosten untereinander aufzuteilen. Zwischen Hamburg und West-Berlin baut die Post die damals längste Fernsehbrücke der Welt.

 

NWDR-Versuchsfernsehen

Kameraleute des Senders bei den Testaufnahmen fuer eine Krimifolge. Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Kamerafachleute bei den Testaufnahmen fuer eine Krimifolge. Quelle: Staatsarchiv Hamburg

Am 27. November 1950 startet das Versuchsprogramm des Nordwestdeutschen Fernsehdienstes (NWDF) aus dem Bunker auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg. Man sendet montags, mittwochs und freitags von 20 bis 22 Uhr. Die Bilder sind zu dieser Zeit schwarz-weiß, Farbfernsehen gibt es erst ab 1967. Gezeigt werden live aufgeführte Fernsehspiele und Sendungen. Um die langen Umbaupausen zwischen den einzelnen Ausstrahlungen zu überbrücken, werden Kulturfilme gezeigt.

 

Während das Fernsehen 1952 in den USA bereits 18 Millionen Fernsehzuschauer hat, sind in Deutschland zur selben Zeit nur etwa 2000 Geräte verkauft. Die meisten Menschen kennen das Fernsehen nur aus den Schaufenstern der Hersteller.

Der Intendant und die erste Ansagerin

Irene Koss beim NWDR 1957. Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Irene Koss beim NWDR 1957. Quelle: Staatsarchiv Hamburg

Am 25. Dezember 1952 erfolgt der offizielle Start des regelmäßigen Programms des deutschen Fernsehens. Um 20 Uhr eröffnet Intendant Dr. Werner Pleister das Programm mit den Worten: "Das Fernsehen schlägt eine Brücke von Mensch zu Mensch, von Völkern zu Völkern. [...] Wir versprechen Ihnen, uns zu bemühen, das neue, geheimnisvolle Fenster zu Ihrer Wohnung, das Fenster in die Welt, mit dem zu erfüllen, was Sie interessiert, Sie erfreut und Ihr Leben schöner macht."(Die NWDR-Rolle, 2002)

 

Anschließend werden die Fernsehspiele Stille Nacht und Max und Moritz live im Studio aufgeführt. Dazwischen gibt es eingespielte Grüße von Fernsehsendern aus aller Welt zum deutschen Fernsehstart. Die Schauspielerin Irene Koss vom Flensburger Stadttheater ist die erste Ansagerin im deutschen Nachkriegs-Fernsehen. Um 21:58 Uhr verkündet sie den Zuschauern: "Wir sehen uns morgen wieder."