Heinz Erhardt, „sanftdoof“ – Elemente seiner Komik


Heinz Erhardts geflügelte Worte wie "Ich könnte manchmal vor Glück eine ganze Allee von Purzelbäumen schlagen", begeistert noch heute Erhardt-Fans in ganz Deutschland und macht einen großen Fernsehliebling unserer Zeit zum Monument deutscher Komik der 1960er Jahre. 

Humor-Kompositionen aus Alltagssituationen

Heinz Erhardt Quelle: Staatsarchiv ©Contipress (30211)
Heinz Erhardt Quelle: Staatsarchiv ©Fernsehmuseum Hamburg e.V.

Heinz Erhardt erklärt in seinen Stücken den gesellschaftlichen Rahmen seiner Zeit "sanftdoof" und wirkt unverwechselbar komisch. Ein guter Beobachter, der sich einer ganzen Palette stilistischer Mittel bedient und so minutiös abgestimmte Humor-Kompositionen entstehen lässt. Seine Kunst ist, dass er es versteht, alle möglichen Situationen des Alltags, des Nachkriegs-Deutschlands zuzuspitzen. Nahe an der Wirklichkeit, für sein Publikum stets nachvollziehbar, jedoch immer gespickt mit Übertreibungen und Absurditäten.

 

Bei allem "Ulk", sagt Erhardt hintergründig gescheite Dinge, die auch das Publikum gehobener Bildungsschichten zum Nachdenken und sogar zum Zitieren anregen. Dieser Komiker stellt sich gern dumm, irrt sich methodisch und liegt doch nie ganz falsch. Er wiederholt mehrfach einen x-beliebigen Sachverhalt und schafft es jeder Wiederholung eine neue Komik zu verleihen. 

 

In seinen Aufführungen macht sich Erhardt die kleinbürgerliche Pikiertheit seines Publikums der 1960er Jahre zu nutze. Seine Überhöhungen dienne der Belustigung und als Ventil für eine Gesellschaft zwischen Weltkrieg und Weltwirtschaftswunder.

Wortspiele und Wortkreationen

Erhardt spielt gern den "kleinen Mann". Dabei wirkt er immer betont nett, um plötzlich mit einer gekonnten Wortspiel-Pirouette direkt etwas ganz Freches zu sagen. So entspringt beispielsweise das Wort "genossen" noch im selben Satz dem Wortstamm "Genuss", wie auch dem politischen Kontext jener Tage. Für ihn hat jedes Wort eine Mehrdeutigkeit. Wortkreationen, wie "Der Apfelschuss" oder "Der Tauchenichts", sind bis heute in Erinnerung blieben.

 

Vielseitiges Talent mit berühmt-berüchtigter Brille

Musikalisch talentiert, unterstützt der studierte Pianist seine Shows regelmäßig mit dem Klavier. Zugegeben, singen können Andere besser. Jedoch setzt Heinz Erhardt seine Stimme geschickt für seine Situationskomik ein. Die Tonlage wechselt gern ins Kindliche für Verniedlichungen oder ins Dramatische, um den Zuschauer abschliessend mit einem lauten Schrei ruppig auf den Boden zurück zu holen. Zu seinem Markenzeichen kann die bekannte „Heinz-Erhardt-Brille“ gezählt werden, die seiner Gesichtsmimik als unverwechselbarer Rahmen dient. Dieser Brillenstil wird bei einem bekannten Optiker in Deutschland vermarktet (2011).

Vorbildfunktion für spätere Comedians

Möglicherweise trifft die Beschreibung „feinsinniger Dramatiker“ annähernd das, was Heinz Erhardt zweifellos zu einem der größten Persönlichkeiten der deutschen Comedy-Landschaft werden lässt. Selbst Komiker der 2010er Tage, wie ''Ralf Schmitz'' http://www.schmitz.tv, bedienen sich gern Erhardt´s Vorbild.

So verwundert es nicht, mehr als dreissig Jahre nach seinem Tod, auf begeisterte Zeitzeugen zu stossen, die schwören möchten: